Ich trage eine, seit ca. 1982 und das zu einer Zeit als die Brille eher Sehhilfe statt modischem Accessoire gewesen ist. Nachdem ich das Gefühl hatte, dass die Filme im Kino immer unscharf waren, war es doch besser den Weg zum Optiker zu suchen, statt dem Filmvorführer die Schuld zu geben. Doch wo liegen eigentlich die Wurzeln unseres liebevoll genannten Nasenfahrrades?
Schon in der Antike stellte man fest, dass Steine mit einem bestimmten Schliff eine vergrößernde Wirkung haben. Gelehrte wie Archimedes und Plinius beschrieben schon die Vergrößerungswirkung von geschliffenen Linsen. Und der arabische Gelehrte Ibn al-Heitam (latinisiert Alhazen; * um 965 in Basra, † um 1040 in Kairo) war ein bedeutender arabischer Mathematiker, Astronom und Physiker und gilt als einer der ersten Optiker.
Und um 1240 nutzten Mönche „Lesesteine“ aus Bergkristall (Halbedelstein Beryll), woraus sich das Wort „Brille“ ableitet.
Nach der Erfindung des Lesesteins entwickelt sich das Monokel, als einäugige Lesehilfe, welche bis ins 18. Jahrhundert verbreitet war. Speziell im 18.Jahrhundert wurde es zur Modeerscheinung. Elegant mit oder ohne Kette in der Westentasche getragen wurde es geschickt zur Darstellung der eigenen Persönlichkeit hervorgezogen und vor das Auge geklemmt.
Die ersten Brillen mit Gestell
Wenig später nach der Erfindung der Lesesteine, um 1270–1280 entstanden in Italien (Venedig/Murano) die ersten, unseren heutigen Brillen doch wesentlich ähnlicheren Brillen. Hergestellt aus zwei konvexen Linsen eingefasst in Holzringe (einäugig und zweiäugig) und mit einem Stiel vernietet. Mit diesem Stiel hielt man sich die Brille zum besseren Sehen vor die Augen. Heute erinnern noch venezianische Masken mit Stab/Stiel an diese historische Form.
Damit hatten die Glasspezialisten aus Murano mit ihrem Spezialwissen, vor allem über weißes Glas, bei der Entwicklung der Brille einen weiteren großen Fortschritt erzielt.
Um die Stabilität der genieteten Gestelle in den nächsten Jahrhunderten zu verbessern, erfand man neue und stabilere Konstruktionen. Dabei wurden die beiden eingefassten Gläser mit Bügeln aus verschiedenen Metallen wie Bronze oder Eisen, sowie Holz oder Knochen gefertigt.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts verband man die beiden Glasfassungen der Augen mit einem metallischen Federbügel und schuf damit den sogenannten Zwicker, dessen Design bis ins 19. Jahrhundert verbreitet war. Diese waren die direkten Vorgänger unserer heutigen Brillen mit Ohrenbügeln, der ca. Anfang des 18. Jahrhunderts entstand. Zudem wurde auch beginnend mit dem Zwicker, an immer mehr Tragekomfort der Nasenauflagen gearbeitet.

Doch auch in der Entwicklung der Gläser gab es vor allem in den Jahren ab 1950 große Fortschritte. Das erste Patent auf Gleitsichtgläser, wie wir sie heute kennen, wurde im Jahre 1909 erteilt. Im Jahr 1959 erfand der französische Ingenieur Bernard Maitenaz die Gleitsichtgläser. Er patentierte ein Brillenglas Design mit ansteigenden Gläserstärken in der unteren Hälfte des Glases. Doch parallel zu dieser Entwicklung wurde in der ehemaligen DDR schon Ende Januar 1953 vom Ingenieur Rolf Riekher, von Prof. Ernst Lau und von Dr. Georg Jaeckel, welche alle dem Institut für Optik und Feinmechanik der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin-Adlershof angehörten, beim Patentamt der DDR ein Patent mit dem Titel „Brillenglas mit gleitender Dioptrienzahl“ hinterlegt (DWP 11312).

Unsere heutigen Brillen sind ein Mix aus modernster Forschung im Bereich der Gläser, der Materialien für Gestelle, wie Titan und Kunststoff und jeder Menge kreativer Designideen.
Und hier noch ein Tipp für diejenigen, welche auch bei ihrem Brillenputztuch Wert auf künstlerisches Design legen https://www.museum-webshop.com/de/zubehoer/brillenzubehoer/brillentuecher/
Ich wünsche viel Freude am Brille tragen.
Volker Leistner